Lebenswelten im Porträt

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Lebenswelten im Porträt

Hinter den in St. Gabriel ansässigen Betrieben, Büros und Werkstätten stehen ganz besondere Menschen – Spezialisten, Erfinder, Entwickler und Künstler. Sie kreieren hier ihre ganz eigenen Lebenswelten und schätzen diesen Standort als einzigartiges Arbeitsumfeld. Machen Sie sich selbst ein Bild!
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Ein Hotel umarmt die Welt

Konzept mit Seele

Ein Hotel zu konzipieren, das dem Standort St. Gabriel in seiner Bestimmung möglichst perfekt entspricht, war eine komplexe Aufgabe. Maria Homm, Geschäftsführerin der Homa Consult GmbH, hat sie mit viel Empathie gelöst und mit dem Gabrium einen wunderbaren Ort der Inspiration entwickelt.

Wie kam es eigentlich zu der Idee, auf dem Gelände des Steyler Missionshauses ein Hotel zu errichten?

Man ist vor vier Jahren in St. Gabriel vor einer großen Herausforderung gestanden: Es gab viele Leerstände – große Räumlichkeiten, die einst als Büros des Ordens oder als Studierzimmer der Theologischen Hochschule, die hier ansässig war, gebraucht wurden. Die Frage war: Wie kann man diese Trakte nützen, sodass einerseits wieder mehr Leben auf das Gelände kommt, andererseits der Orden in seiner Bestimmung weiterhin bestehen und das Gebäudeensemble auch künftig finanziert werden kann. Die Idee eines Hotels war eine konsequente und richtige Antwort, da es die gestellten Anforderungen bestens erfüllt. Eine umfassende Machbarkeitsstudie hat dies dann ebenfalls bestätigt.

Die Philosophie eines Hotels ist für seinen Erfolg ganz wesentlich. Wie sind Sie an das Konzept herangegangen?

Bevor noch die Gestalter mit ins Boot kamen, haben wir uns sehr intensiv mit Werteveränderungen in der Gesellschaft beschäftigt.  Denn diese bestimmen dann unweigerlich auch jene Trends, die sich unmittelbar auf die Hotellerie auswirken. Wir haben uns genau angesehen, welche veränderten Anforderungen an Reisende wird es in Zukunft geben und welche davon würden hier an den Standort passen. Bei jedem Hotelprojekt gibt es einen Kern, von dem man ausgehen muss. In St. Gabriel war dies das eindrucksvolle historische Backstein-Ensemble mit seinem charmanten Park.

Damit ganz eng verbunden ist jedoch auch die Energie, von der dieser Ort getragen ist. Und diese kommt aus der Geschichte und dem Wertegerüst des Ordens. Unser Zugang war, dass alles, was hier neu entwickelt wird, sich stimmig um diesen Kern herumformen muss. Das Konzept sollte ihn stützen und nach außen auch wieder abbilden. Das geht über die Architektur, die Gestaltung bis hin zu den Abläufen und Ritualen im täglichen Hotelgeschehen.

Auf welche Wertepfeiler bezieht sich das Gabrium konkret?

Es gibt mehrere, aber wir haben die drei wesentlichen in der Konzeption aufgegriffen. Das sind erstens die Achtung, der Respekt und der Dialog – vor allem auch mit anderen Kulturen. Getragen natürlich von einer christlichen Gemeinschaft, weil der Orden hier seine Wurzeln hat. Zweitens ist es die Gerechtigkeit und Menschenwürde. Das bedeutet, sich auch für die Benachteiligten der Gesellschaft einzusetzen und so zu agieren, dass es nicht zum Nachteil anderer Menschen, sondern zum Vorteil gereicht. Und der dritte große Wert ist sozusagen die Bewahrung der Schöpfung, also das eigene Handeln so auszurichten, dass es immer dem Fortbestand der Schöpfung dient. Und diese Pfeiler sind gemeinsam mit dem physischen Ensemble die Seele des Gabrium.

Das Raumdesign visualisiert diese Seele?

Die Architektur an sich richtet sich ja vor allem nach der vorhandenen Struktur und nach dem Denkmalschutz.  Aber mit der Innenraumgestaltung wird stark spürbar, dass wir die Wertepfeiler von St. Gabriel aufgreifen. Es ist ein einziger gestalterischer Dialog zwischen den Kulturen, das ist ein wichtiges Statement. Frau Isa Stein hat das Konzept der „one-world-Philosophie“ hier im Haus aus meiner Sicht ganz großartig und sehr authentisch umgesetzt.

„Spiritualität soll im Gabrium ohne religiöse Korsette gelebt werden können.“

Wir alle haben Sehnsucht nach der Ferne und nach dem Neuen. Das sind Werte, die weit über die Ordensgrenzen und auch weit über den christlichen Kontext hinausgehen. So erreichen wir jede Zielgruppe. Es gibt aber auch nahezu in jedem Menschen eine Sehnsucht, der eigenen Spiritualität wieder näher zu kommen. Deshalb haben wir das Gabrium auch als einen Ort der Begegnung kreiert. Hier kann Spiritualität gelebt werden, ganz ohne religiöse Korsette. Es geht nicht um eine bestimmte Religion, sondern darum, sich selbst an einem authentischen Ort erleben zu können.

Das Gabrium will seine Gäste zu einer inspirierenden Reise in neue Gedankenwelten einladen?

Ja, das ist unsere Intention. Wohin die Reise für unsere Gäste letztendlich aber hingeht, wissen wir natürlich nicht. Wir wünschen uns, dass sie hier an diesem Ort aufmachen können, sich von dem einen oder anderen Puzzleteilchen anregen lassen, um spannende „Reisen im Kopf“ zu erleben. Wenn ein Gast aber quasi nicht selbst reisen möchte, kann er zumindest nachfragen, was hinter unserem Konzept steckt. Auch so kann man seine Welt vergrößern.

Das Hotel ist auch eine Möglichkeit, die bis dato sehr geschlossene Anlage von St. Gabriel nach außen zu öffnen?

Ich glaube, dass diese Öffnung eine hohe Sensibilität und eine gute Balance braucht. Einerseits wollten wir hier ja kein Resort schaffen, das wie ein Ghetto funktioniert. Andererseits soll aber das neue Leben, das hier entsteht, eine wesentliche Funktion des Ortes nicht beeinträchtigen. Nämlich die der inneren Einkehr, des Ruhefindens. Deshalb haben wir auch im Haus bewusst Nischen geschaffen, wo man den Tagesstress vergessen und Ruhe tanken kann. Und auch die Außenanlagen bieten hier viele Möglichkeiten – ob der Südpark mit den Ruheinseln, der Teich oder der Nordpark mit seinen wildromantischen Plätzen.

Auf dem Gelände in St. Gabriel sind ja mittlerweile viele Betriebe angesiedelt, gibt es hier Synergien? 

Diese Nachbarschaft von Hotel und Betrieben ist natürlich befruchtend für beide Seiten. Es entsteht gerade eine Art St. Gabriel-Community, wo man einander nicht fremd ist und man jeweils auch für den anderen mitdenkt.  Die am Standort tätigen Akteure immer wieder zu vernetzen und auch ins Hotel zu holen, ist wirklich spannend. Die Gäste machen sich auch selbst auf die Suche, etwa um vom Klosterbauern zu erfahren, wie man mit Tomaten umgeht, damit sie nach Tomaten schmecken. Es geht uns letzten Endes auch darum, das große Wissen, das sich durch die unterschiedlichsten Betriebe hier am Standort konzentriert, zu erschließen.

Diese Menschen haben sehr viel Freude und Liebe für ihre Arbeit – darum sind auch die Ergebnisse so gut. Und das sollte sich gewissermaßen auch im Output energetisch potenzieren.

Jedes Konzept funktioniert ja immer nur so gut, wie die Mitarbeiter, die es umsetzen?

Durchaus. Und besondere Konzepte brauchen ganz besondere Menschen – und die haben wir. Es ist uns wichtig, wirklich jeden einzelnen Mitarbeiter an unsere Philosophie  heranzuführen, um den entscheidenden Funken in ihm zu wecken. Denn ab dem Moment, wo er sich mit der Philosophie identifiziert, braucht man ihm nicht mehr zu sagen, wie er dem Gast begegnen soll. Jeder macht das auf seine eigene Art. Denn wenn die Arbeit getragen ist, von der Begeisterung für das Konzept, dann funktioniert das ganz wunderbar!

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Der Bauer mit Weitblick

Zwischen Zwetschken und Zucchini

Bienen summen, ein Stieglitz zwitschert, prächtig ragen die gelben Sonnenblumen empor, tiefrote Paradeiser wachsen üppig am Strauch, wollige Schafe mähen das hohe Gras und die Schweine suhlen sich genüsslich im Schlamm. Ein Sehnsuchtsort, von dem viele Städter träumen. Mittendrin steht Johannes Kleedorfer. Lachend zeigt er auf sein Land. Drei Hektar hat der 48jährige Bauernsohn aus dem Weinviertel 2012 vom Orden gepachtet. Eine kleine feine Landwirtschaft, die er mit viel Hingabe und Liebe zur Natur und natürlich ökologisch vorbildlich betreibt. Die Idylle, die der Besucher empfindet, bedeutet jedoch harte Arbeit. „Ich hatte in sechs Jahren vielleicht sechs Tage Urlaub“, erklärt der Klosterbauer, wie sich Kleedorfer nennt. Aber es hat sich ausgezahlt: Der ehemalige Klostergarten ähnelt immer mehr seinen Vorstellungen.

Nutzgarten früher und heute

„Ich habe alte Pläne von St. Gabriel studiert und wollte wissen: Wie hat es damals ausgeschaut? Was wurde angebaut? Da gibt es ja gerade in den Klöstern ein unglaubliches Wissen. Man wusste genau, was auf welchen Boden gehört. Die Missionare sind in der ganzen Welt herumgekommen und lernten andere Anbaumethoden kennen. Sie waren lange vor den Universitäten Wissenshüter und -vermittler“, erzählt er begeistert. Man darf natürlich nicht vergessen, dass damals 150 Novizen im Haus lebten, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. „Meine Mitstreiterin Katharina und ich betreiben den Garten jetzt mehr oder weniger zu zweit, das sind schon andere Bedingungen“, räumt Kleedorfer ein. Bei der Wahl der Obst- und Gemüsesorten greift er auf altes Wissen zurück und berücksichtigt die vorhandenen Rahmenbedingungen von Klima und Boden. „Für diesen trockenen Schotterboden eignen sich Marillen- und Nussbäume, aber keine Apfelbäume oder zumindest nicht alle Sorten. In dem warmen Thermenklima gedeihen Paradeiser, Melanzani, Paprika und Kürbisse, aber keine Kohlarten“, weiß er als Experte.

„St. Gabriel ist für mich ein besonderer Platz. Hier kann man zur Ruhe kommen.“ - Johannes Kleedorfer

Klein, aber fein

Früher gehörten zum klösterlichen Anbaugebiet mehr als 25 Hektar Land. Die Felder zogen sich an der Nordseite außerhalb der Klostermauern bis zur heutigen Südstadt. Die 30.000 Quadratmeter innerhalb der Mauern – das Reich des neuen Klosterbauern – waren der Kern der Landwirtschaft, der Obst- und Gemüsegarten. „Es ist grad so eine Größe, die wir zwar mit großem persönlichen Einsatz, aber ohne Maschinen bewirtschaften können“, erklärt Kleedorfer. Oft steht er noch um Mitternacht im Garten und wässert per Hand seine Pflanzen. Beim Gießen sieht er genau, was jede Pflanze braucht und das Ergebnis kann sich auch sehen lassen: Das Gemüse im Hofladen schmeckt fantastisch!

Der Klosterbauer hat noch viele Pläne. Nächstes Jahr will er die Anbauflächen für Feldfrüchte erweitern. Wichtig ist ihm, in allen Bereichen eine Artenvielfalt zu erhalten. Nicht mit Gewalt, sondern die natürlichen Gegebenheiten berücksichtigen, heißt sein Credo: „Alles, was auf diesem Boden und beim aktuellen Wettergeschehen gedeiht, pflege ich.“

Kreislauf der Natur

Auch in der Tierhaltung versetzt er sich in die natürlichen Lebensgewohnheiten der Tiere und erfüllt die Bedürfnisse seiner Hühner, Schweine und Schafe. Damit schließt sich auch der Kreislauf: Die Schafe pflegen die Landschaft, indem sie das Buschwerk fressen. Das hat den Vorteil, dass die Hühner besser vor dem Fuchs geschützt sind, der sich nicht durch die Büsche schleichen kann. Diese wiederum haben freien Auslauf, ziehen ihre Küken ohne Leistungsdruck und Brutapparaten in Ruhe selbst auf und legen sehr schmackhafte Eier. Die Sonnenblumen bleiben stehen, damit die Stieglitze sich bis zum Winter die Kerne holen können und die Schmetterlinge tanzen um ihre Lieblingsblumen. Womit wir wieder bei der Idylle sind!

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Expertin für süße Sünden

Die Virtuosin in der Backstube

Mousse au Chocolat, Zitronentörtchen, Mohn-Weichsel-Kuchen …“ Wenn Christina Krug von ihren süßen Spezialitäten spricht, leuchten ihre Augen und ihren Kunden läuft das Wasser im Mund zusammen. Die lebhafte Zuckerbäckerin gehört inzwischen zu den Besten ihres Metiers. Ihre außergewöhnlichen Hochzeitstorten sind in Wien und Umgebung schon legendär. Ein toller Erfolg für die Quereinsteigerin. „Eigentlich habe ich ja Klavier studiert und im Kulturmanagement gearbeitet“, erzählt sie. Aber das Kuchenbacken war schon immer ihr Hobby, und je mehr sie sich damit beschäftigte, desto größer wurde der Wunsch, es zum Beruf zu machen. Sie schnuppert bei verschiedenen Konditoren, besucht Kurse und experimentiert mit Teigen und Zutaten. Schließlich tritt sie zur Meisterprüfung an und besteht sie mit Bravour. Der Weg zum eigenen Unternehmen ist frei. Die Jungkonditorin mietet sich mit ihrer Backstube in St. Gabriel ein und beginnt mit der Produktion. „Es ist allerdings ein großer Unterschied, ob man privat bäckt oder an einem Wochenende drei Hochzeiten beliefern muss. Da geht es darum, schnell und strukturiert zu arbeiten. Für eine drei- bis fünfstöckige Hochzeitstorte brauche ich schon drei Tage. Da muss jeder Griff sitzen“, erklärt sie. Am ersten Tag wird gebacken, am zweiten streicht sie alles ein und überzieht die Torte mit Fondant, am dritten Tag dekoriert sie ihr Werk. Der Fondant hält alles schön saftig.

Torten à la carte

Die Brautpaare können aus einer breiten Angebotspalette wählen. Die Torten haben klingende Namen wie „Bastien & Bastienne“ oder „Violeta Valery“, inspiriert von Mozart bis Verdi. Doch die Schnabulerie bietet weitaus mehr. „Die Hochzeit ist so ein besonderer Tag, da sollte alles zusammenpassen, vom Kleid über die Blumen bis zur Tischdekoration und natürlich die Hochzeitstorte. Ich berate die Paare deshalb gerne persönlich, und wir stellen die Torte individuell zusammen.“ Ein Service, der gut ankommt: Jede Hochzeit bringt wieder neue KundInnen. Von April bis September herrscht Hochbetrieb in der Backstube. Das siebenköpfige Team der Schnabulerie zaubert eigene Kreationen, eine schöner als die andere. Die Krönung war eine 1,70 Meter hohe Torte aus 600 Eiern, mit Blattgold überzogen und mit 500 Zuckerblumen dekoriert. Geheiratet hat die Tochter eines indischen Milliardärs.

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Tolle Profis für das Bike

Fröhliche Schneider für das Bike

Hinter den Backsteinmauern von St. Gabriel verbergen sich wahre Schätze innovativer Unternehmenskultur. Gelebt von Leuten, die für ihre Ideen brennen. Peter Fröhlich und Felix Schneider haben vor zwei Jahren in der alten Bäckerei das Unternehmen „Chase GmBH“ gegründet. Eine Carbonmanufaktur und Werkstatt, die weit mehr ist als ein schneller Service-Stopp für das Fahrrad.

Die Bike Schneiderei – gegründet und betrieben von Leuten, die wissen, wovon sie reden und die lieben, was sie tun. Wer Peter Fröhlich inmitten der Werkzeuge und Maschinen begegnet, begreift sehr schnell: Es ist echte Leidenschaft, die ihn antreibt und erfolgreich macht.  Bereits als Kind mit den Eltern viel auf Radreisen unterwegs, strampelt er sich in seiner Jugend zum Profi-Mountainbiker und fährt Rennen und Touren rund um die Welt.  Nach dem Abschluss verschiedener Studien, unter anderem an der FH Technikum Wien, gründet er ein Architekturbüro, entwirft Beleuchtungskonzepte, fotografiert für Reisemagazine. Aber das Thema Rad lässt ihn nicht los und bestimmt seit 2015 auch seinen beruflichen Alltag.

Fest im Sattel

„Mein Jugendfreund Felix und ich haben hier in unserer Heimatgemeinde Maria Enzersdorf als Radsportler wunderbare Zeiten erlebt, wir wollten der Region gerne etwas zurückgeben. Die Umgebung ist zwar landschaftlich ein Paradies für Radfahrer, die Service- und Beratungsmöglichkeiten waren allerdings eher unzureichend. Deshalb hatten wir die Idee, eine Art Info- und Service-Point für alle Fragen rund ums Rad zu schaffen, um damit das Thema auch stärker in die Bevölkerung, vor allem auch unter die Jugend zu bringen“, erzählt Peter Fröhlich von den Anfängen der Bike Schneiderei. Das Geschäftsmodell funktionierte rasch und ohne große Marketingaktionen – Mundpropaganda durch zufriedene Kunden ist eben immer noch die beste Werbung. Wer heute die Radexperten vor Ort in der Werkstatt besucht, profitiert vom umfassenden Know-how eines engagierten und mittlerweile fünfköpfigen Teams.

„Geht nicht, gibt‘s nicht! Wir designen und fertigen für jeden Kunden das perfekte Fahrrad für jeden individuellen Zweck.“

Aber ob Reifenwechsel, Servicepackages oder eine umfassende Beratung über Fahrtechniken – der Kunde sei gewarnt: Wer es sich erst einmal auf dem großen Wartesofa gemütlich gemacht hat, kommt ins Plaudern, kommt ins Fachsimpeln, kommt auf eigene Ideen: Warum nicht gleich ein neues Fahrrad, maßgeschneidert und perfekt an die persönlichen Bedürfnisse angepasst? Denn geht nicht, gibt´s nicht, sagt Schneider, der im Durchschnitt zwischen fünf und sieben Räder sein eigen nennt. „Wir designen und fertigen für jeden Kunden das perfekte Modell für jeden individuellen Zweck. Gute Räder machen einfach Sinn, du kannst mit ihnen im Alltag nahezu alles erledigen. Und es gibt einfach keine bessere Möglichkeit, sich auf gesunde Weise rasch vorwärts zu bewegen. Nicht umsonst springt auch die Industrie auf das Thema ganz stark auf: Vom Lastenrad, über E-Bikes bis zu sicheren Anhängern für den Kleinkindertransport. Man kann heutzutage auf ein Auto leichter verzichten, als man denkt.“ Aha – die Biker Schneider leben also autofrei? „Nicht ganz“, grinsen sie, „aber unsere Autos stehen an sechs von sieben Tagen und sie haben eigentlich nur einen Zweck: Unsere Räder zu den Radrennen zu fahren!“

Carbon kommt in die Gänge

Die Bike Schneiderei beherbergt auch eine innovative Entwicklungs-und Manufaktionsabteilung für Carbonprodukte. Das zweite Standbein von Fröhlich und Schneider läuft unter der Marke „Chase“ und setzt auf eine Marktnische, die sich bereits bezahlt macht.  „Die gesamte Produktion wird zur Gänze mit Ökostrom gespeist. Wir haben zudem eine 100prozentige Wertschöpfung in Europa, beispielsweise kommt das Aluminium aus Salzburg, das Carbon aus Verona, die Naben aus der Schweiz, die Speichen aus Belgien die T-Shirts des Teams kommen aus Portugal,“ betont Fröhlich den starken Fokus auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Mit speziellen Carbonfelgen wurde die Chase GmbH 2016 sogar beim Innovationspreis der Wirtschaftskammer Niederösterreich ausgezeichnet. „Mittlerweile haben wir viele Anfragen für Fertigungen aus allen möglichen Branchen – viele auch aus dem Segelsport. Wir sind zur Zeit der einzige Produzent für Radcarbon-Anbauteile made in Austria. Alle anderen Produkte, die auf dem Markt sind, werden in Asien produziert. Zudem sind wir ob unserer Flexibilität vor allem für Kleinserien bestens aufgestellt und haben Möglichkeiten, die Großproduzenten nicht haben,“ blicken Fröhlich und Schneider optimistisch in die Zukunft von der Chase GmbH. Mit gutem Grund: Wer so kräftig in die Pedale tritt, kann eigentlich nur gewinnen! 

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Buchbinderei

Gebundene Erinnerung

Wenn man die Schwelle zur Buchbinderwerkstatt überschreitet, scheint die Zeit stehen zu bleiben. Zwischen uralten, mechanischen Schreibmaschinen, verwitterten Holzkästen mit Messinglettern für Goldprägungen, Landkarten aus Kolonialzeiten, Papierschneidemaschinen und Buchpressen übt die Buchbinderin ein fast vergessenes Handwerk aus. „Meine Selbständigkeit begann mit der noch heute sehr gefragten Goldprägekunst“, erzählt die quirlige Meisterin. Nach ihrer Ausbildung bei einem Kunstbuchbinder in Wien hat sie mit alten Messinglettern, modernen Klischees und Prägewerkzeugen Titel und Verzierungen in Gold auf Bucheinbände angebracht. Ihr Schatz besteht aus vielen Holzkästen mit unzähligen Schubladen: „Hier finden Sie alle Buchstaben in verschiedenen Größen und Schriften. Diese Lettern aus der k.u.k Zeit brauchen wir heute immer noch für Titelprägungen.“

„Wir brauchen jedes Material, da wir ja nicht am Computer arbeiten.“

Zentrum der Druck- und Buchbindekunst

St. Gabriel war bis 1996 ein bekanntes Druckzentrum mit einer angeschlossenen industriellen und handwerklichen Buchbinderei und ein angesehener Ausbildungsbetrieb. Lehrlinge aus Niederösterreich, Burgenland und Wien legten hier bis in die frühen 1980er-Jahre ihre Prüfungen ab. Für die eigene Theologische Hochschule ließen die Studenten ihre Diplomarbeiten, die Professoren ihre gesammelten Fachartikel und die Bibliothek Zeitschriften-Jahrgänge im Sortimentsbetrieb binden. 1986 brannte die Handbuchbinderei ab, wobei viele gebundene Schätze verloren gingen. Zehn Jahre später wurde der Betrieb offiziell geschlossen. Es wurden keine Aufträge mehr von außen angenommen, sondern nur die eigenen Bücher und Zeitschriften gebunden. Dann kam Christine Weiner hinzu. Seit 1998 arbeitet sie in der Werkstatt und Kunden aus dem Raum Wien und Niederösterreich freuen sich, dass die Kunst der Handbuchbinderei wieder angeboten wird.

Die Erinnerung zählt

Heute zählen Archive, Bibliotheken, Gemeinden und Privatpersonen zu ihren Stammkunden. „Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis ihre Erinnerungen in gebundener Form zu bewahren“, lächelt sie. „Es kommen Kunden, die ihre Email-Korrespondenz in Buchform haben möchten oder die gesammelten Ausgaben einer Kinderzeitschrift.“ Archive lassen hingegen viele Bücher restaurieren. Dieser „Patienten“ nimmt sich Christine Weiner besonders liebevoll an. „Wenn man weiß, dass altes Papier aus Hadern und Lumpen besteht, die mühevoll gesammelt, dann zermahlt wurden, und das Papier mit der Hand geschöpft wurde, weiß man diese alten Werke besonders zu schätzen“, schwärmt sie und streicht behutsam über das Büttenpapier eines juristischen Werkes aus dem 18. Jahrhundert.

Manchmal denkt sie lange darüber nach, wie sie ein altes Buch retten kann: „Mir persönlich täte es sehr weh, wenn man an alten Büchern etwas stark veränderte. Diese alten Umschläge zum Beispiel gehören auch zur Geschichte, die man nicht unnötig zerstören sollte. Das Bewahren ist besonders wichtig. Für dieses eine spezielle, nur mit Brokatpapier eingeschlagene Buch ist mir jetzt etwas eingefallen, was in keinem Lehrbuch steht, aber zur Erhaltung beiträgt. Es soll laut Auftrag einen harten Einband bekommen, aber ich werde es nicht auf die herkömmliche Weise binden, sondern nur ein paar Fäden einziehen und ohne Leim mit den Deckeln verbinden. Somit steht es geschützt im Regal, aber der weiche Originaleinband mit dem schönen Umschlagpapier bleibt erhalten.“

Geschützt hinter Mauern

Die gebürtige Perchtoldsdorferin hat für ihr Handwerk den richtigen Ort gefunden. „St. Gabriel war für mich schon als Jugendliche, evangelisch aufgewachsen, ein ökumenischer Treffpunkt, um in den Pfingstgottesdiensten Ruhe und Gemeinschaft zu finden. „In dieser Atmosphäre der alten Backsteingebäude, noch spürbar erfüllt von den Gedanken der christlichen Nächstenliebe, kann viel gedeihen, auch ein fast vergessenes Handwerk wie das meine,“ meint sie nachdenklich und wendet sich einer neuen Kundin zu, die gerade staunend die Werkstatt betritt: „Dass es so etwas noch gibt!“

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Buchhandlung St. Gabriel

Bücher im Grünen

Theresia Schmid ist Buchhändlerin mit Leib und Seele und das schon seit fast 30 Jahren. „Ich habe hier in St. Gabriel nach der Matura meine Lehre gemacht“, erzählt die zierliche Mittvierzigerin lebhaft. Damals gab es noch eine Filiale mitten in Wien am Stephansplatz, außerdem betrieb der Orden einen Kinderbuchverlag. Dementsprechend gut sortiert sind die Abteilungen Kinderbuch und Religion. „Wir sind heute eine der ganz wenigen Buchhandlungen mit einem breiten Angebot an Literatur und Geschenkartikeln im religiösen Bereich“, stellt Schmid fest. Das soll nicht heißen, dass die Belletristik oder das Sachbuch zu kurz kommen. Seit der Übernahme der Buchhandlung durch den Kral-Verlag im Jahr 2014 wird viel Wert auf regionale Titel, gut vertreten durch den Kral-Verlag, gelegt.

Lesecafe und Seelenapotheke

„Wir sind im besten Sinne eine Wald- und Wiesenbuchhandlung, wo man wirklich alles findet“, lacht Schmid. Die leidenschaftliche Leseratte von Kindheit an ist nach vielen Jahren im Geschäft am Stephansplatz an den Stadtrand in „ihre“ erste Buchhandlung zurückgekehrt. „Dieser Platz hier weit weg vom Trubel der großen Einkaufszentren und Shopping Malls ist ein ganz besonderer oder kennen Sie eine Buchhandlung mit Blick ins Grüne?“, fragt sie verschmitzt. Und sie hat recht: Die Kunden kommen hier sehr bewusst her, gerne auch mit dem Fahrrad und genießen es, in Ruhe zu schmökern und sich kompetent beraten zu lassen. Seit dem Umbau vor drei Jahren lädt ein gemütliches Lesecafé mit Terrasse zum Verweilen ein. Das Angebot erfreut sich bei der treuen Stammkundschaft großer Beliebtheit. Theresia Schmid kennt sie alle mit Namen und mehr noch: „Als Buchhändlerin baut man ja eine ganz besondere Beziehung zu seinen Kunden auf und erfährt viel Persönliches, wenn Leute in Büchern Rat suchen. Da sind wir eine kleine Seelenapotheke.“

Fast wie zu Hause

Ganz groß geschrieben ist bei der Filialleiterin der Wohlfühlfaktor. „Für mich ist dieser Raum mein zweites Wohnzimmer und ich möchte genau diese Atmosphäre auch unseren Kunden vermitteln“, erklärt sie. Eine Vision, die sich erfüllt hat, denke ich, während ich mir bei einem Cappuccino eine kleine Auszeit gönne und in einem Buchtipp von Theresia Schmid schmökere. Ob sie selber noch viele Bücher zu Hause hat? „Nein“, lacht sie“, „die habe ich ja hier!“ Spricht’s und nimmt neugierig die nächste Lieferung entgegen. Vielleicht ist ja wieder ein spannender Titel dabei!

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